Ein etwa ein Kilometer langer Spaziergang auf dem Planetenweg in Buchholz macht die Größenverhältnisse im Sonnensystem deutlich. Die Sonne auf dem Planetenweg hat einen Durchmesser von einem Meter, die Größe der Planeten verhält sich maßstäblich dazu.
Vom Trafoturm gehen wir Richtung Groß Ziethen zum Dorfausgang und dann weiter geradeaus auf dem Feldweg. Eine Weile bleibt das Sonnenmodell am Turm im Blick. Unsere Geschwindigkeit als Fußgänger entspricht etwa der sechsfachen Lichtgeschwindigkeit.
Nach 41 Metern erreichen wir die Position des Planeten Merkur. Er hat im Modell einen Durchmesser von 3,5 Millimetern. Real sind es 4880 Kilometer. Der kleinste und sonnennächste Planet ist nur etwas größer als unser Mond und ähnelt diesem stark: Seine Oberfläche ist durch Meteoriteneinschläge von unzähligen Kratern übersät. Er besitzt fast keine Lufthülle und die Temperaturen reichen von 427 Grad auf der Sonnenseite bis minus 173 Grad auf der Nachtseite. Auf dem Merkur erscheint die Sonne 2,5 mal größer als auf der Erde.
77m: Die Venus ist fast so groß wie die Erde. Ihre Kohlendioxid-Atmosphäre sorgt für einen extremen Treibhauseffekt. Vulkanismus erhitzt zusätzlich die Oberfläche, sodass Temperaturen über 450 Grad erreicht werden. Wolken die zu 80% aus Schwefelwasserstoff bestehen, reichen bis 50km hoch. Aus ihnen regnet es in unaufhörlichen Gewittern. Ein höllischer Venustag dauert 243 Erdtage.
107m: Die Erde erreichen wir Spaziergänger nach knapp zwei Minuten. Das Sonnenlicht braucht 8 Min. um zu unserem blauen Planeten zu kommen. Zusätzlich schickt die Sonne uns eine energiereiche Teilchenstrahlung, den „Sonnenwind“, der in der Lage wäre, unsere elektronischen Geräte sowie unsere Stromnetze zu zerstören, sogar die Atmosphäre langsam abzubauen, und das biologische Leben auszulöschen. Davor schützt uns weitestgehend das Magnetfeld der Erde, das diese Teilchenströme ablenkt.
163m: Der Mars ist ein Gesteinsplanet wie Merkur, Venus und Erde. Sein schwächelndes Magnetfeld bietet ihm kaum noch Schutz vor den Sonnenwinden. Die vermutete ehemalige Atmophäre ist stark zurückgegangen. Die Oberfläche ist staubtrocken mit heftigsten Stürmen. Temperaturen erreichen höchstens +20°C bis -85°C. Über mögliches früheres Leben auf diesem Planeten werden vielleicht weitere Marsmissionen Auskunft liefern.
Zur Frage: „Können wir den Mars besiedeln?“ ein toller Podcast aus „mdr WISSEN“ !
ca.300m: Der Asteroidengürtel befindet sich zwischen Mars und Jupiter. Er enthält mehr als 40.000 Objekte. Der größte Klumpen darin, Ceres, wurde früher als Zwergplanet bezeichnet und hat an die tausend Kilometer Durchmesser. Andere Objekte sind wesentlich kleiner und oft unregelmäßig geformt, „kartoffelförmig“. Ihre Schwerkraft reicht nicht aus, eine gerundete Oberfläche zu schaffen. Kleine Bruchstücke, entstanden aus Kollisionen, treffen regelmäßig als Meteorite die Erde. Große Einschläge haben sich im Laufe der Erdgeschichte mehrmals ereignet und führten zu unvorstellbaren Katastrophen und Massensterben wie dem Untergang der Dinosaurier.
556m: Jupiter ist der größte Planet im Sonnensystem. Die Erde würde mehr als tausendmal in ihn hineinpassen. Wie auch Saturn Uranus und Neptun gehört er zu den Gasplaneten: Die Außentemperatur liegt bei minus150 Grad. Je tiefer man in seine Atmosphäre eindringt desto höher werden Temperatur und Druck. Im Inneren werden die Gase flüssig, im Kern wahrscheinlich sogar fest. Druck und Wasserstoffanteil reichen gerade nicht aus, um eine Kernfusion zu starten. Sonst hätten wir in Jupiter eine zweite Sonne, die uns in weitem Bogen umkreiste. Auf der Oberfläche herrschen stattdessen unglaubliche Wirbelstürme mit bis zu 500 Kilometern pro Stunde. Auch der „große rote Fleck“, der von der Erde aus sichtbar ist und schon vor 350 Jahren entdeckt wurde, ist so ein
Wirbelsturm.
Jupiter hat vier große Monde, die mit einem Fernglas gut beobachtet werden können und von Galileo im Jahr 1610 entdeckt wurden: Io mit mehr als 400 aktiven Vulkanen, Europa, vermutlich komplett von einem Ozean aus Salzwasser umgeben, Ganymed, der größer ist als der Planet Merkur, und Kallisto mit einer 200 Meter dicken Eiskruste. Etwa 59 weitere Monde wurden bisher entdeckt. Im Modell wären die meisten winzig und kaum zu sehen.
Anmerkung: Der blaue Riesenstern Beteigeuze aus dem Sternbild Orion hat einen größeren Umfang als die Bahn des Jupiter. Würden wir Beteigeuze ins Zentrum unseres Sonnenmodells versetzen, befänden wir uns hier noch im Innern des Sterns.
1019m: Saturn. An dieser Aussichtsbank endet vorläufig der Planetenweg. Saturn, der „schönste“ der Planeten, besitzt ein Ringsystem aus Staub, Steinen und Eisstücken in verschiedenen Größen. Die Ringe entstanden wohl durch Kollisionen der Saturnmonde untereinander und mit Meteoriten oder
Kometen. Sie haben einen Durchmesser von bis zu 960.000 Kilometer, bei einer Dicke von ungefähr 100 Metern (im Modell also mehr als messerscharf,) und sind erst mit einem größeren Fernglas unter guten Bedingungen sichtbar. Galileo (1567-1642) konnte die Ringe mit seinem Fernrohr noch nicht erkennen. Zeitgenossen erschienen sie wie „Henkel“ links und rechts. (Im Modell hätten die Ringe 17 bis 70 Zentimeter Durchmesser.)
Saturn besteht wie unsere Sonne hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium, hat aber nur eine geringe Dichte und ist leichter als Wasser, also theoretisch sogar „schwimmfähig“…
Mehr als 274 Monde wurden bisher entdeckt, knapp die Hälfte erst in den letzten 6 Jahren. Einige haben ihre Umlaufbahn innerhalb des Ringsystems. Der größte Saturnmond Titan ist fast so groß wie der Planet Merkur. Eine dichte Gashülle – für einen Mond einzigartig – verwehrt den Blick auf die minus170 Grad kalte Oberfläche. Hier landete 2005 die Sonde einer Saturnmission. Interessant auch der Eismond Enceladus (Durchmesser ungefähr 500 Kilometer): Geysirtätigkeit erneuert seine Eisschicht ständig, sodass er schneeweiß bleibt.
Erst in doppelter Entfernung zu unserer Modellsonne würden wir etwa an der östlichen Badestelle des Serwester Sees den Planeten Uranus erreichen: nach 2051 Metern. Er hätte einen Modell-Durchmesser von 37 Millimetern. Der „Gasplanet“ besteht aus Wasserstoff, Helium und Methan. Methan verleiht ihm eine bläuliche Farbe. Mit bloßem Auge ist er schwer zu beobachten und er wurde als Planet erst im Jahr1781 erkannt.
Nach insgesamt 3,2 Kilometern (etwa beim Rosinsee) müssten wir unser letztes Schildchen mit dem Namen Neptun anbringen, (Durchmesser 35 Millimeter). Mindestens elf Monde umkreisten ihn in bis zu 35 Meter Abstand und wären in diesem Maßstab teilweise mikroskopisch klein. Neptun ist nur im Teleskop sichtbar. Sein Tag dauert 16 Stunden, aber er braucht 165 Jahrefür den langen Weg um die Sonne. Es ist ungemütlich auf Neptun: die heftigsten Stürme im Sonnensystem haben dort die zehnfache Geschwindigkeit eines Hurrikans, und…es regnet Diamanten! (googeln, wer’s nicht glaubt 🙂
Jenseits von Neptun beginnt der Kuipergürtel.Aus dieser fernen Region kommen regelmäßig Kometen bis in Sonnennähe. Hier gibt es unzählige Kleinstobjekte, die bisweilen in sehr exzentrischen Bahnen kreisen. Das bekannteste Objekt Pluto gilt inzwischen nicht mehr als Planet, sondern als Zwergplanet, und wäre in diesem Planetenmodell etwa 4,2 Kilometer von Buchholz entfernt. Auch seine Bahn ist elliptisch, und kreuzt sogar die Bahn von Neptun.
Einen weiteren Zwergplaneten würden wir erst nach 14,1 Kilometer erreichen: Eris ist ähnlich groß wie Pluto. Im Modell mit einem Durchmesser von 1,8 Millimetern!
Man stelle sich dieses Steinchen vor, halb so groß wie ein Stecknadelkopf, und ein gutes Stück Weges hinter Angermünde, wie es seit Jahrmillionen ruhig seine Bahn zieht, um die kleine Sonne am Trafoturm in Buchholz, nur von deren Anziehungskraft auf Kurs gehalten 🙂
Würden wir weiterlaufen, verließen wir damit schließlich das Sonnensystem und es würde einsam: den nächsten Stern „Proxima Centauri“ erreichten wir erst nach 28.800 Kilometern Fußweg. Das entspricht der Strecke: Buchholz-Australien und zurück. Diese kleine Nachbarsonne ist nur etwas größer als Jupiter, und das Licht braucht von dort etwas mehr als vier Jahre um die Erde zu erreichen. Eine große Entfernung? Auf einem Bild, das unsere Galaxis mit einem Meter Durchmesser zeigt, wäre der Abstand Sonne – Proxima Centauri kleiner als ein Punkt mit einem gespitzten Bleistift. Unsere Galaxis (einen ihrer Arme sehen wir nachts als Milchstraße) bildet zusammen mit dem Andromedanebel, dem Dreiecksnebel und etwa 70 weiteren kleineren Galaxien die sogenannte Lokale Gruppe. Sie wiederum ist ein Hundertmillionstel Teil des beobachtbaren Universums.
Lothar Breustedt, Alte Schmiede, Buchholz, breustedt@web.de